Ausbildung: Notarfachangestellte bzw. Notarfachangestellter werden

Spätestens kurz vor dem Schulabschluss stellen sich viele Lernende die Frage: Und was jetzt? Welche Ausbildung ist zukunftsorientiert? Welche Perspektiven eröffnen sich dabei? Eine sehr interessante und teilweise unterschätzte Ausbildung ist die zur bzw. zum Notarfachangestellten. Im Folgenden finden Sie ausführliche Informationen zu diesem Beruf.

Was machen eigentlich Notarfachangestellte?

Notar - das klingt nach Akten, Verträgen und Urkunden. Genau das ist ein wesentlicher Teil Ihrer Arbeit, wenn Sie sich für diese Ausbildung entscheiden und später in diesem Beruf tätig werden. Allerdings sind Ihre Aufgaben vielfältig und alles andere als „verstaubt“. Im Gegenteil: Auf Sie wartet ein sehr spannendes Tätigkeitsfeld, das immer neuen Herausforderungen unterworfen ist.

Sie kommen mit vielen verschiedenen Menschen zusammen und lernen deren bedeutende Anliegen kennen. Dabei unterstützen Sie Ihren Arbeitgeber, die Mandanten optimal zu beraten und die rechtlichen Angelegenheiten professionell abzuwickeln.

Die Aufgaben eines Notars

Um die Tätigkeit der Notarfachangestellten besser verstehen zu können, ist ein Blick auf die Aufgaben der Notare sinnvoll. Dies sind Juristen mit der Befähigung zum Richteramt, die nach erstem und zweiten juristischen Staatsexamen eine weitere Ausbildung oder Referendarszeit durchlaufen haben.

Wesentliche Eckpunkte der Arbeit sind die Beratung der Mandanten, die Formulierung von Verträgen und die Überwachung der Vertragsabwicklung. Ein typischer Einsatzbereich ist zum Beispiel der Kauf und Verkauf von Immobilien. Denn in Deutschland muss jeder Immobilienhandel durch einen Notar begleitet werden.

Anders als ein Anwalt vertritt ein Notar seine Mandanten nicht parteiisch. Er ist zur Neutralität verpflichtet. Daher berät er seine Mandanten auf beiden Seiten objektiv und sachlich.

Notarfachangestellte: Überblick über die Tätigkeiten

Aus dem Tätigkeitsfeld des Notars leiten sich die Aufgaben der Notarfachangestellten ab. Sie unterstützen den Notar bei seiner täglichen Arbeit. Dabei übernehmen Sie sämtliche vorbereitende Aufgaben. Zu den typischen Tätigkeiten gehören:

  • der Schriftwechsel und die Kommunikation mit Mandanten und Behörden,
  • das Verwalten und Organisieren von Akten,
  • Vorbereiten der Termine mit Mandaten,
  • Beratung der Mandanten,
  • Vorbereiten von Urkunden und Verträge wie zum Beispiel Immobilienkaufverträge, Testamente, Schenkungen, Eheverträge usw.,
  • Überwachen von Einträgen zum Beispiel in das Grundbuchamt oder Handelsregister,
  • das Überwachen von Terminen und Fristen.

Diese vielfältigen und interessanten Aufgaben beinhalten den Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen mit ihren Wünschen und Vorstellungen sowie immer neue Inhalte bei der Ausarbeitung von Verträgen. Eng verbunden mit der Ausgestaltung von zum Beispiel Testamenten, Schenkungsurkunden, Eheverträgen oder Immobilienkaufverträgen sind wechselnde und jeweils individuelle Schwerpunkte. Auf diese Weise erhalten Sie spannende Einblicke in die verschiedenen Vereinbarungen zwischen den jeweiligen Parteien.

Sie arbeiten an modern ausgestatteten Arbeitsplätzen mit leistungsfähiger Bürosoftware und spezieller Notarsoftware. Sie nutzen elektronische Ablagen und echte Aktenordner. Sie recherchieren z.B. bei Behörden, in juristischen Datenbanken und in der juristischen Literatur, um Fragen im Einzelfall zu klären.

Diese verantwortungsvolle Aufgabe als unterstützende Instanz bei rechtlich bindenden Vereinbarungen ist an ein Höchstmaß an Seriosität geknüpft. Ihr Auftreten ist daher freundlich und verbindlich. Sie sind vertrauenswürdige Ansprechpartnerin bzw. vertrauenswürdiger Ansprechpartner für Mandanten und Behörden sowie weitere Beteiligte und bringen eine entsprechende Verschwiegenheit mit.

Wichtig: Keine Angst! Sie arbeiten Ihre Kompetenzen während der Ausbildung ganz automatisch heraus. Sie müssen nicht bereits alle Eigenschaften mitbringen.

Die Ausbildung zur bzw. zum Notarfachangestellten

Wenn Sie Notarfachangestellte bzw. Notarfachangestellter werden möchten, genießen Sie eine duale Ausbildung. Das heißt: Sie lernen zum einen in der Kanzlei, zum anderen besuchen Sie eine Berufsschule. Somit vereinen Sie während Ihrer Ausbildung theoretisches und praktisches Lernen. Sie eignen sich auf diese Weise eine breite Wissensgrundlage an und können das Erlernte sogar sofort in der Kanzlei praktisch anwenden und üben.

Info

Bis 1995 hießen Notarfachangestellte noch Notargehilfen. Die Änderung erfolgte, da die Anforderungen an diesen Beruf zuvor über Jahrzehnte deutlich gestiegen sind. Die neue Bezeichnung wird dem gestiegenen Anspruch deutlich mehr gerecht.


Sie werden häufig lesen, bei der Ausbildung zur bzw. zum Notarfachangestellten handele es sich um eine typische kaufmännische Ausbildung. Sie sei in Teilen vergleichbar mit der von Bürokaufleuten einerseits und Rechtsanwaltsfachangestellten andererseits. Tatsächlich gibt es jedoch wesentliche Unterschiede. Die Struktur einer Notarkanzlei (dazu sogleich) setzt besondere Verantwortung und auch besondere Wissbegierde voraus, ist dafür aber auch besonders interessant und besonders lohnend!

Info

Es gibt einen Unterschied zwischen den Ausbildungsgängen für Notarfachangestellte und Rechtsanwaltsfachangestellte. Die Struktur der Kanzleien ist unterschiedlich. Einem Rechtsanwalt sind typischer Weise ein bis zwei Mitarbeiter zugeordnet. Einem Notar sind - zumindest im Bereich des sogenannten Nurnotariats - zumeist fünf bis fünfzehn Mitarbeiter zugeordnet. Diese tragen damit naturgemäß eine größere Verantwortung zum selbstständigen Arbeiten. Der oder die Notarfachangestellte muss daher auch viel wissen und lernen - es handelt sich um eine besonders anspruchsvolle Ausbildung.

Welche schulische Qualifikation ist erforderlich?

Um eine Ausbildung zur bzw. zum Notarfachangestellten zu starten, ist grundsätzlich kein bestimmter Schulabschluss erforderlich. Ratsam ist jedoch, wenigstens einen guten Realschulabschluss vorweisen zu können.

Durch die gestiegenen Ansprüche an Notarfachangestellte haben inzwischen auch viele Abiturientinnen und Abiturienten das Berufsfeld für sich entdeckt. Das hat Auswirkungen auf die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Denn rund zwei Drittel der Auszubildenden haben ein Abitur bzw. die Fachhochschulreife. Ein knappes Drittel verfügt über einen Realschulabschluss.

Zwar kann der Schulabschluss ausschlaggebend sein. Allerdings ist es im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz nicht erforderlich, in Sport oder Musik eine Bestnote vorzuweisen. Es gibt jedoch einige Fächer, in denen Sie überdurchschnittliche Leistungen nachweisen können sollten:

  • Deutsch,
  • Mathematik,
  • Wirtschaft/ Recht/ Gemeinschaftskunde.

Hervorragende Kenntnisse in Fremdsprachen sind eher ein Bonus als eine zwingende Voraussetzung.

Wichtig: Auch mit einem guten Realschulabschluss haben Sie eine Chance, einen der begehrten Ausbildungsplätze zu erhalten. Streben Sie eine solche Karriere an, sind gute oder sehr gute Noten in relevanten Fächern hilfreich.

Persönliche Voraussetzungen

Neben einem guten Schulabschluss gibt es einige Eigenschaften, die Ihnen den Start in die Ausbildung erleichtern. Dazu zählen unter anderem:

  • Sorgfalt,
  • Verschwiegenheit,
  • gutes Ausdrucksvermögen,
  • Service-Mentalität,
  • Organisationstalent,
  • Interesse an Recht.

Diese Kompetenzen helfen Ihnen, die zu erlernenden Fähigkeiten zielgerichtet einzusetzen. Insbesondere gegenüber den Mandanten und bei den täglichen Arbeitsroutinen profitieren Sie von diesen Fähigkeiten.

Dauer der Ausbildung zur/zum Notarfachangestellten

Die Dauer der Ausbildung ist verbindlich festgelegt. Sie lernen drei Jahre intensiv alle Grundlagen des Berufes und qualifizieren sich mit der erfolgreich abgeschlossenen Prüfung zur bzw. zum Notarfachangestellten für einen spannenden Beruf.

Eine kürzere Ausbildung ist möglich! Wenn Sie aufgrund einer bereits absolvierten beruflichen Qualifikation oder besonderen Kenntnissen bzw. Fähigkeiten das Ausbildungsziel voraussichtlich schneller erreichen können, ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit auf zwei Jahre möglich.

Gute Leistungen während der Ausbildungsphase sind eine weitere Möglichkeit, schneller in den Beruf eintreten zu können. Wenn Sie zum Beispiel sehr gute Noten vorweisen, können Sie die Abschlussprüfung ggf. um sechs Monate vorziehen.

Auch eine Verlängerung ist möglich. Sollten widrige Umstände eintreten oder Ihre Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen, haben Sie die Möglichkeit, die Abschlussprüfung erst nach vier Jahren abzulegen bzw. die Prüfung entsprechend zu wiederholen.

Info

Über die Voraussetzungen für eine abweichende Ausbildungsdauer können Sie sich bei der Notarkammer bzw. Notarkasse in Ihrem Bundesland informieren.

Was verdienen Sie während der Ausbildung?

Es gibt keine bundesweit verbindliche Ausbildungsvergütung. Die regionalen Notarkammern geben Empfehlungen heraus, wie ihre Mitglieder die Auszubildenden bezahlen sollen. Dabei handelt es sich meistens um Gehaltsspannen, die für jedes Ausbildungsjahr einzeln vorgegeben sind.

Je nach Region und Kanzlei können Sie eine Ausbildungsvergütung erwarten, die folgende Höhe hat (Stand: 2019):

  • im ersten Jahr zwischen 640 und 850 Euro,
  • im zweite Jahr zwischen 680 und 950 Euro,
  • im dritten Jahr zwischen 710 und 1.050 Euro.

Teilweise werden - z.B. von der bayerischen Notarkammer - auch merklich höhere Vergütungen empfohlen. Auch werden manchmal individuell höhere Vergütungen gezahlt.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Sie lernen im wöchentlichen Schulunterricht die Grundlagen Ihres zukünftigen Berufs. In der Regel findet ein Schultag pro Woche statt. Dieser wird in einzelnen Ausbildungsphasen ggf. durch einen Blockunterricht ergänzt, während dessen Sie täglich zur Berufsschule gehen. Beispielsweise findet im Bereich der Notarkammer Bayern ab dem zweiten Jahr derartiger Blockunterricht statt. An den anderen Ausbildungstagen arbeiten Sie in der Kanzlei Ihres Arbeitgebers. Dort setzen Sie das Erlernte praktisch um und eignen sich durch die Betreuung durch Kolleginnen und Kollegen sowie der Notare handwerkliche Fähigkeiten an.

Im ersten Ausbildungsjahr lernen Sie die Grundlagen für Ihren Beruf. Das sind insbesondere die Abläufe im Büro, die Grundlagen der Rechtsordnung, das sogenannte „Ausfertigen“ der Urkunden.

Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr stehen konkrete Beispiele aus den verschiedenen Rechtsgebieten und ihre Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Sie vertiefen Ihre Kenntnisse über die Inhalte des Bürgerlichen Gesetzbuches, des Gesellschaftsrechts sowie weiterer Bereich wie z.B. das Erbrecht. Sie lernen die detaillierten Abläufe kennen, etwa beim Kauf und Verkauf von Immobilien. Zusätzlich steht die Gebührenberechnung auf dem Lehrplan.

Info

In mehreren Regionen beinhaltet der Ausbildungsplan zusätzliche Lehreinheiten, die außerhalb von Schule und Kanzlei stattfinden. Details erfahren Sie bei Ihrer zuständigen Notarkammer bzw. Notarkasse.

Die Prüfungen während der Ausbildung

Sie legen während Ihrer Ausbildung zwei Prüfungen ab. In Abhängigkeit von der Ausbildungslänge steht nach zwölf oder 18 Monaten die schriftliche Zwischenprüfung an. Diese legen Sie bei der zuständigen Notarkammer ab. Diese Prüfung versteht sich als Leistungskontrolle und ist verpflichtend für alle Auszubildende. Die dabei erzielte Note hat jedoch keinen Einfluss auf die Abschlussprüfung.

Die Ausbildung endet mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung. Diese finden ebenfalls vor der Notarkammer statt. Bei einem erfolgreichen Abschluss sind Sie Notarfachangestellte bzw. Notarfachangestellter und können in diesem Beruf als qualifizierte Fachkraft arbeiten.

Berufsperspektiven für Notarfachangestellte

Als Notarfachangestellte bzw. Notarfachangestellter haben Sie eine sehr gute Chance, einen festen und krisensicheren Arbeitsplatz zu finden. Die Arbeitslosigkeit in diesem Bereich ist tendenziell gering und nur von kurzer Dauer.

Die Abwicklung von Immobilienverkäufen, das Erstellen von Testamenten und Eheverträgen, Schenkungen und sonstigen Beurkundungen sind ein fortlaufendes Geschäft. Es ändern sich die gesetzlichen Grundlagen, aber nicht der grundsätzliche Bedarf. Dadurch erwartet Sie ein spannendes Arbeitsfeld, das von Sicherheit und Kontinuität flankiert ist.

Aufstiegschancen

Als Notarfachangestellte bzw. Notarfachangestellter haben Sie nicht nur gute Berufschancen, sondern können diese auch aktiv gestalten. Sie haben die Möglichkeit, aufbauend eine der folgenden Karrieremöglichkeiten in Angriff zu nehmen:

  • Notarfachassistentin/ Notarfachassistent,
  • Inspektorin/ Inspektor im Notardienst,
  • Notarfachwirtin/ Notarfachwirt,
  • leitende Notarmitarbeiterin/ leitender Notarmitarbeiter.

Dazu sind Fortbildungen und Zusatzausbildungen erforderlich. Teilweise sind die Möglichkeiten regional unterschiedlich.

Notarfachangestellte: Gehaltsaussichten

Was bereits bei der Ausbildungsvergütung zutrifft, gilt auch für den Beruf: Es gibt keinen Tarifvertrag. Ihre Gehaltsaussichten hängen von der Region und Ihrer Qualifikation ab. Außerdem zahlen größere Kanzleien in Ballungsgebieten häufig etwas mehr als kleine Kanzleien auf dem Land.

Sie können mit einem Gehalt rechnen, das anfangs bei ca. 1.800 bis 2.200 Euro monatlich liegt und mit steigender Berufserfahrung schnell auf ein Monatsbruttoeinkommen zwischen ca. 2.400 und 2.800 Euro steigt. Spitzenkräfte erreichen nach jahrelanger Fortbildung durchaus bis zu ca. 4.000 Euro monatliches Bruttoeinkommen.

Neben Region und Größe der Kanzlei haben Ihre persönlichen Fähigkeiten jedoch einen wesentlichen Einfluss auf das tatsächliche Gehalt. Sie steigern Ihre Chancen, indem Sie regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen besuchen oder erfolgreich eine Weiterbildung abschließen.